Was ist ADHS?


psychische Störungen

ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Sie wird als eine neurobiologische Entwicklungsstörung eingeordnet, die bereits im Kindesalter beginnt. In der ICD-10 (Internationale Klassifikation der Krankheiten, die in Deutschland zur Verschlüsselung medizinischer Diagnosen verwendet wird) gehört ADHS zu den sogenannten hyperkinetischen Störungen (F90) und damit zu den Störungen, die typischerweise in Kindheit und Jugend beginnen. Auch wenn die Beschwerden häufig schon früh vorhanden sind, werden sie nicht bei allen Menschen bereits im Kindesalter erkannt.


Ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der ADHS-Forschung war das Jahr 1902. Der britische Kinderarzt George Frederic Still beschrieb in einer Vorlesungsreihe in London Kinder, die unter anderem durch starke Unruhe sowie Schwierigkeiten mit Ausdauer und Selbstkontrolle auffielen. Seine Beobachtungen gelten heute als eine der frühen wissenschaftlichen Beschreibungen von Verhaltensweisen, die später mit ADHS in Verbindung gebracht wurden. Das heutige Verständnis von ADHS und die heute verwendeten diagnostischen Kriterien entwickelten sich jedoch erst im weiteren Verlauf.


Heute ist bekannt, dass ADHS nicht nur Kinder betrifft, sondern bei einem Teil der Betroffenen auch im Erwachsenenalter weiterbesteht.


Dabei kann sich das Erscheinungsbild im Laufe des Lebens verändern. Eine deutlich sichtbare körperliche Unruhe kann im Erwachsenenalter beispielsweise weniger auffällig sein. Stattdessen können innere Unruhe, Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit, Schwierigkeiten mit Organisation und Zeitmanagement oder impulsives Handeln stärker in den Vordergrund treten.


Dadurch können Schwierigkeiten im Beruf, Studium, Alltag oder in Beziehungen entstehen. Manche Betroffene benötigen viel Energie, um ihren Alltag zu organisieren oder Anforderungen zuverlässig zu bewältigen.


ADHS kann sich von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich zeigen. Nicht alle Betroffenen haben die gleichen Schwierigkeiten oder gleich starke Beschwerden. Deshalb wird bei einer Diagnostik nicht nur auf einzelne Symptome geschaut, sondern darauf, wie lange die Schwierigkeiten bereits bestehen, in welchen Lebensbereichen sie auftreten und wie stark sie den Alltag beeinträchtigen.

Kernmerkmale ADHS im Erwachsenenalter:


  • Schwierigkeiten, Aufmerksamkeit über längere Zeit zu halten, v.a. wenn Themenbereiche einen weniger interessieren
  • häufiges Abschweifen oder „Gedankenspringen“
  • Aufschieben wichtiger Aufgaben trotz guter Vorsätze
  • Probleme mit Zeitmanagement, Planung und Priorisierung aufgrund geringerer Priorisierung "18 Dinge gleichzeitig machen"
  • Vergesslichkeit im Alltag, z. B. Termine, Absprachen, Gegenstände
  • innere Unruhe oder das Gefühl, „nicht abschalten“ zu können
  • impulsives Handeln oder Reden, z. B. Unterbrechen, vorschnelle Entscheidungen
  • starke Schwankungen zwischen Überforderung und Hyperfokus
  • emotionale Reizbarkeit, schnelle Frustration oder intensive Gefühlsreaktionen
  • Starker Leistungsantreiber und innere Abwertung wenn man mal "nichts tut"
  • Schwierigkeiten, Routinen dauerhaft umzusetzen
  • Chaos bei Papierkram, E-Mails, Haushalt oder Finanzen
  • Erschöpfung durch ständiges Kompensieren und „Zusammenreißen“
  • wiederkehrende Probleme im Beruf, Studium, Alltag oder in Beziehungen


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