Die ADHS-Diagnostik in meiner Praxis erfolgt strukturiert und besteht in der Regel aus Fragebögen sowie 2–3 diagnostischen Sitzungen. Ziel ist eine sorgfältige Einschätzung, ob die bestehenden Beschwerden zu einer ADHS im Erwachsenenalter passen oder ob andere Erklärungen wahrscheinlicher sind.
Ablauf der Diagnostik
Empfohlener Diagnostischer Ablauf
Eine fundierte psychologische Diagnostik stützt sich in der Regel auf mehrere Bausteine. Neben einem ausführlichen diagnostischen Gespräch und der biografischen Anamnese kommen – abhängig von der Fragestellung – standardisierte psychologische Fragebögen und Testverfahren zum Einsatz.
Je nach Fragestellung können unter anderem folgende standardisierte Fragebögen/ Verfahren eingesetzt werden. Die nachfolgende Übersicht stellt lediglich eine Auswahl möglicher Testverfahren dar.
Im Rahmen einer ADHS-Diagnostik werden in der Regel nicht alle aufgeführten Fragebögen verwendet, sondern gezielt etwa drei bis vier Verfahren ausgewählt, die zur jeweiligen Fragestellung und Symptomatik passen.
Dabei können neben ADHS-spezifischen Verfahren auch Fragebögen eingesetzt werden, die der
differenzialdiagnostischen Abklärung dienen, beispielsweise im Hinblick auf depressive Symptome, Ängste, Schlafprobleme, Autismus-Spektrum-Merkmale, Persönlichkeitsfaktoren oder Substanzkonsum.
Fragebogenauswahl
- Biografischer Lebensfragebogen
Erfassung relevanter biografischer Erfahrungen, Entwicklungsbedingungen und psychosozialer Belastungsfaktoren. - HASE ADHS-SB – Hamburger ADHS-Skalen für Erwachsene, Selbstbeurteilungsskala
Erfassung der aktuellen ADHS-Symptomatik im Erwachsenenalter. - HASE WURS-K – Wender Utah Rating Scale, Kurzform
Retrospektive Erfassung von ADHS-typischen Symptomen in Kindheit und Jugend. - CAARS-S:L – Conners Skalen zu Aufmerksamkeit und Verhalten für Erwachsene
Erfassung durch Selbstbeurteilungsverfahren zur differenzierten Erfassung ADHS-typischer Aufmerksamkeits-, Aktivitäts- und Impulsivitätsprobleme. - KATE – Kölner ADHS-Test für Erwachsene, Fragebogen zu den exekutiven Funktionen
Erfassung von Schwierigkeiten in Bereichen wie Planung, Organisation, Handlungssteuerung und Selbstregulation. - AQ – Autismus-Spektrum-Quotient
Erfassung Screening auf Merkmale aus dem Autismus-Spektrum. - SKID-II – Strukturiertes Klinisches Interview
Erfassung von Persönlichkeitsmerkmalen - B5T – Big-Five-Persönlichkeitstest
Erfassung grundlegender Persönlichkeitsdimensionen. - ESK – Existenzskala
Erfassung personaler Kompetenzen und Ressourcen im Hinblick auf eine selbstbestimmte und sinnorientierte Lebensgestaltung. - BDI-II – Beck-Depressions-Inventar II
Erfassung des Schweregrades depressiver Symptome. - BAI – Beck-Angst-Inventar
Erfassung der Ausprägung von Angstsymptomen. - OCI-R – Obsessive Compulsive Inventory – Revised
Erfassung von Zwangssymptomen - BOSS – Burnout-Screening-Skalen
Erfassung von Beschwerden und Belastungen im Zusammenhang mit chronischer Überforderung und Burnout-Symptomatik. - AUDIT – Alcohol Use Disorders Identification Test
Erfassung auf riskanten oder problematischen Alkoholkonsum. - PSQI – Pittsburgh Sleep Quality Index
Erfassung Screening der subjektiven Schlafqualität und möglicher Schlafprobleme. - ISR – ICD-10-Symptom-Rating
Erfassung Screening psychischer Beschwerden und unterschiedlicher Symptombereiche. - SCL-90-R – Symptom-Checkliste-90-Revised
Erfassung eines breiten Spektrums psychischer und körperlicher Beschwerden.
Ergänzende Unterlagen mit bringen
Sie müssen sich auf die Diagnostik nicht besonders vorbereiten. Für die diagnostische Einschätzung kann es jedoch hilfreich sein, wenn Sie sich vorab einige Gedanken zu Ihrer bisherigen Entwicklung und Ihren aktuellen Beschwerden machen. Wenn vorhanden, können Sie außerdem Unterlagen mitbringen, die zusätzliche Hinweise geben.
Diese nachfolgenden Unterlagen und Informationen sind nicht komplett erforderlich. Sie können jedoch helfen, die Entwicklung der Beschwerden leichter und besser nachzuvollziehen und insbesondere einzuschätzen, ob typische Schwierigkeiten bereits in Kindheit oder Jugend bestanden haben.
| Bereich | Worüber Sie sich vorab Gedanken machen können |
|---|---|
| Kindheit & Schulzeit | Wie wurden Sie als Kind in der Schule und zu Hause erlebt? Gab es Auffälligkeiten bei Konzentration, Mitarbeit, Verhalten oder Arbeitsweise? |
| Schulzeugnisse | Gibt es alte Schulzeugnisse, besonders aus der Grundschule, mit Hinweisen auf Aufmerksamkeit, Unruhe, Vergesslichkeit oder Arbeitsverhalten? |
| Frühere Befunde | Liegen bereits psychologische oder ärztliche Befunde, Therapieberichte oder Testergebnisse vor? |
| Gespräche zu zweit | Wie gut können Sie einem direkten Gespräch folgen? Verlieren Sie manchmal den Faden oder schweifen gedanklich ab? |
| Gespräche in Gruppen | Wie erleben Sie Gespräche mit mehreren Personen? Fällt es Ihnen schwer, Themenwechseln oder mehreren Gesprächspartner:innen gleichzeitig zu folgen? |
| Interesse & Konzentration | Bei welchen Tätigkeiten können Sie sich besonders gut konzentrieren? Fällt Ihnen die Konzentration bei wenig interessanten Aufgaben deutlich schwerer? |
| Langeweile | Wie reagieren Sie auf monotone, langsame oder wenig abwechslungsreiche Aufgaben? |
| Starke Fokussierung | Gibt es Situationen, in denen Sie sich sehr intensiv in ein Thema oder eine Tätigkeit vertiefen und dabei Zeit, Pausen oder andere Aufgaben aus dem Blick verlieren? |
| Interessenwechsel | Begeistern Sie sich häufig schnell für neue Themen, Hobbys oder Projekte? Wie lange hält dieses Interesse meist an? |
| Zeitgefühl | Wie gut können Sie einschätzen, wie lange Aufgaben dauern? Kommt es häufiger zu Zeitdruck oder Verspätungen? |
| Aufgabenbeginn & Abschluss | Fällt es Ihnen schwerer, Aufgaben zu beginnen oder sie zu Ende zu bringen? Welche Aufgaben bleiben typischerweise liegen? |
| Alltagsorganisation | Welche Strategien nutzen Sie, um Termine, Aufgaben und wichtige Dinge im Blick zu behalten? |
| Abschalten | Wie leicht fällt es Ihnen, nach einem anstrengenden Tag zur Ruhe zu kommen? Bleiben Gedanken oder Ideen häufig lange aktiv? |
| Schlaf | Wie erleben Sie Ihren Schlafrhythmus? Gibt es Schwierigkeiten beim Einschlafen, Aufstehen oder beim morgendlichen In-Gang-Kommen? |
| Reize | Gibt es Geräusche, Licht, Hitze, Berührungen oder andere Reize, die Sie besonders schnell ablenken oder anstrengen? |
| Rückmeldungen anderer | Gibt es Eltern, Geschwister, Partner:innen oder enge Freund:innen, die Sie schon lange kennen und etwas zu Ihrer Entwicklung oder Ihrem Verhalten sagen könnten? |
Kosten
Meine Praxis ist eine Privatpraxis. Die Kosten werden daher in der Regel privat abgerechnet.
Für Selbstzahlende liegen die Kosten für eine ADHS-Diagnostik meist zwischen 250 und 400 Euro, abhängig vom Umfang der Gespräche, Fragebögen, Auswertung und ggf. eines schriftlichen Befundberichts.
Bei gesetzlich Versicherten ist eine Kostenübernahme nicht automatisch gegeben. In bestimmten Fällen kann ein sogenanntes
Kostenerstattungsverfahren bei der Krankenkasse geprüft werden. Dies sollte jedoch vor Beginn der Diagnostik direkt mit der Krankenkasse geklärt werden; eine Übernahme kann nicht garantiert werden.
Diagnostik und weitere psychotherapeutische Behandlung
Wenn sich im Rahmen der Diagnostik Hinweise auf eine ADHS bestätigen, kann – sofern dies gewünscht, fachlich sinnvoll und kapazitativ möglich ist – auch eine psychotherapeutische Behandlung in meiner Praxis erfolgen.
Die Diagnostik und die anschließende Therapie sind jedoch
getrennte Bereiche
bei mir: Die ADHS-Diagnostik umfasst in der Regel
zwei bis drei Sitzungen und führt nicht automatisch zu einem Therapieplatz. Ob eine weiterführende Behandlung möglich ist, kann anschließend gerne noch mal besprochen werden und hängt auch von den aktuell verfügbaren Kapazitäten ab.
Kontaktaufnahme für ADHS-Testungen
Wenn Sie unsicher sind, ob eine ADHS-Abklärung in Ihrer Situation sinnvoll ist oder welcher Umfang passend wäre, schreiben Sie mir gerne eine E-Mail an info@walk-foerderung.de oder nutzen Sie das Kontaktformular.
