Für wen ist eine ADHS-Abklärung sinnvoll?


ADHS Abklärung

Eine ADHS-Diagnostik in meiner Praxis richtet sich an Erwachsene ab 18 Jahren, die den Verdacht haben, dass ihre Schwierigkeiten möglicherweise mit ADHS zusammenhängen.


Eine diagnostische Abklärung kann sinnvoll sein, wenn bestimmte Schwierigkeiten bereits seit längerer Zeit bestehen und sich spürbar auf den Alltag auswirken – zum Beispiel auf Arbeit, Studium, Beziehungen, Organisation oder das eigene Wohlbefinden.


Dabei geht es nicht nur um die Frage, ob eine ADHS vorliegt. Ebenso wichtig ist es, andere mögliche Ursachen oder zusätzliche Belastungen zu berücksichtigen. Dazu können zum Beispiel Depressionen, Ängste, Schlafprobleme, körperliche Erkrankungen, Stress oder aktuelle Krisensituationen gehören.


Ziel der Diagnostik ist daher eine möglichst sorgfältige und umfassende Einschätzung der Beschwerden, damit am Ende besser verstanden werden kann, wodurch die Schwierigkeiten entstehen und welche weiteren Schritte sinnvoll sein können.


Eine diagnostische Einschätzung soll Orientierung geben, welche nächsten Schritte sinnvoll sein könnten, beispielsweise Psychotherapie, Coaching, Selbstmanagement oder eine ergänzende fachärztliche Mitbehandlung.

Mögliche Hinweise auf ADHS im Erwachsenenalter


Bereich Mögliche Hinweise
Kindheit & Schulzeit Bereits seit Kindheit oder Jugend bestehen Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit, Konzentration, Organisation, innerer Unruhe oder Impulsivität – häufig besonders auffällig in der Schulzeit.
Alltag & Anforderungen Trotz großer Anstrengung entsteht wiederholt das Gefühl, an ähnlichen Anforderungen zu scheitern oder die eigenen Fähigkeiten im Alltag nicht zuverlässig umsetzen zu können.
Mehrere Lebensbereiche Schwierigkeiten zeigen sich nicht nur in einem Bereich, sondern beispielsweise in Beruf, Studium, Ausbildung, Alltag, Beziehungen oder Selbstorganisation.
Aufschieben & Vergesslichkeit Aufgaben werden häufig aufgeschoben, Termine oder Verpflichtungen vergessen oder Fristen nur mit erheblichem Druck eingehalten.
Zeitmanagement & Planung Es fällt schwer, Zeit realistisch einzuschätzen, Prioritäten zu setzen, Aufgaben zu planen oder den Alltag verlässlich zu strukturieren.
Überblick & Organisation Bei mehreren gleichzeitig anstehenden Aufgaben entsteht schnell das Gefühl, den Überblick zu verlieren, sich zu verzetteln oder überfordert zu sein.
Aufmerksamkeit Besonders bei monotonen, wenig interessanten oder als langweilig empfundenen Aufgaben fällt es schwer, die Aufmerksamkeit länger aufrechtzuerhalten.
Ablenkbarkeit Gedanken schweifen häufig ab, äußere Reize lenken schnell ab oder Informationen können nur schwer „festgehalten“ werden.
Innere Unruhe Es besteht häufig das Gefühl, innerlich oder körperlich „unter Strom“ zu stehen, ständig aktiv sein zu müssen oder nur schwer zur Ruhe zu kommen.
Impulsivität Entscheidungen werden teilweise vorschnell getroffen, Gespräche häufig unterbrochen oder das Abwarten fällt schwer.
Produktivitätsschwankungen Es wechseln sich Phasen hoher Produktivität mit Phasen ab, in denen selbst einfache Aufgaben nur schwer begonnen oder abgeschlossen werden können.
Überforderung & Erschöpfung Alltägliche Anforderungen erfordern dauerhaft viel Kraft und Kompensation, sodass es wiederholt zu Überforderung oder Erschöpfung kommt.
Hyperfokus Bei besonders interessanten Tätigkeiten kann die Aufmerksamkeit über lange Zeit sehr stark gebunden sein, sodass Zeit, Pausen oder andere Verpflichtungen aus dem Blick geraten.
Aufmerksamkeitswechsel Es fällt schwer, sich bewusst von einer stark fesselnden Tätigkeit zu lösen und zu weniger interessanten Aufgaben zu wechseln.
Interessen & Begeisterungsfähigkeit Neue Themen, Ideen oder Projekte lösen schnell starke Begeisterung aus und werden teilweise sehr intensiv verfolgt.
Wechselnde Interessen Hobbys, Projekte oder Interessengebiete wechseln häufiger, insbesondere wenn der anfängliche Reiz oder die Neuartigkeit nachlässt.
Reizempfindlichkeit Geräusche, Licht, Berührungen, Hitze oder andere körperliche bzw. sensorische Reize werden teilweise als besonders intensiv oder belastend erlebt.
Körperliche Bedürfnisse Hunger, Durst, Erschöpfung oder notwendige Pausen werden im Alltag teilweise erst spät wahrgenommen oder zugunsten einer Tätigkeit übergangen.
Abschalten & Gedankenfülle Vor allem am Abend fällt es schwer, innerlich abzuschalten; Gedankenfülle, Grübeln oder ein anhaltend hohes Aktivierungsniveau können das Zur-Ruhe-Kommen erschweren.
Schlaf Ein- oder Durchschlafprobleme, ein verschobener Schlaf-Wach-Rhythmus oder Schwierigkeiten, morgens in Gang zu kommen, treten wiederholt auf.
Psychische Beschwerden Auch nach Behandlung anderer Beschwerden, etwa Depression, Angst oder Suchtproblemen, bestehen Aufmerksamkeits-, Organisations- oder Impulsivitätsprobleme weiterhin.
zu Ablauf & Kosten

Wann ADHS-Diagnostik in meiner Praxis eher nicht passend ist


Eine ADHS-Diagnostik ist nicht in jeder Situation sofort sinnvoll. In manchen Fällen stehen zunächst andere Fragen oder Behandlungsbedarfe im Vordergrund.


  • Das gilt besonders dann, wenn aktuelle Krisen, andere psychische oder körperliche Beschwerden oder eine vorrangig medikamentöse Behandlung die diagnostische Einschätzung beeinflussen können.
  • Im ersten Gespräch wird daher gemeinsam geprüft, ob der Zeitpunkt für eine ADHS-Diagnostik passend ist oder ob zunächst andere Schritte sinnvoller sind. Gegebenenfalls kann es empfehlenswert sein, eine akute Belastung oder Erkrankung zunächst zu stabilisieren und die ADHS-Diagnostik zu einem späteren Zeitpunkt durchzuführen.
  • Ob eine Diagnostik aktuell sinnvoll und aussagekräftig durchgeführt werden kann, wird im Zweifelsfall gemeinsam im Erstgespräch eingeschätzt. Manchmal ist es fachlich sinnvoller, zunächst eine akute psychische oder körperliche Problematik zu behandeln und die ADHS-Diagnostik anschließend durchzuführen.
Bereich Wann die Diagnostik eher nicht passend ist
Unter 18 Jahre Wenn es um die Abklärung von ADHS bei Kindern oder Jugendlichen geht.
Medikamente Wenn Sie vor allem eine medikamentöse Behandlung wünschen. Als Psychologischer Psychotherapeut darf ich keine Medikamente verschreiben. Dafür ist eine ärztliche bzw. fachpsychiatrische Behandlung erforderlich.
Akute Krise Wenn aktuell eine schwere psychische Krise, Psychose, manische Episode oder ausgeprägte Instabilität im Vordergrund steht.
Starke aktuelle Belastung Wenn eine akute Belastungs- oder Krisensituation Konzentration, Schlaf, Stimmung oder Leistungsfähigkeit deutlich beeinflusst und dadurch die Diagnostik verfälscht werden könnte.
Schwere Suchterkrankung Wenn aktuell eine ausgeprägte Alkohol- oder Drogenproblematik im Vordergrund steht und zunächst eine entsprechende Behandlung notwendig ist.
Akuter Substanzeinfluss Wenn Sie zum Untersuchungstermin unter dem Einfluss von Alkohol, Drogen oder anderen Substanzen stehen, die Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit beeinflussen können.
Neu aufgetretene Beschwerden Wenn Konzentrations- oder Organisationsprobleme erst seit kurzer Zeit bestehen, etwa durch Schlafmangel, Depression, Überlastung oder eine körperliche Erkrankung.
Nur aktuelle Leistungsprobleme Wenn die Schwierigkeiten ausschließlich während einer aktuellen Prüfungs-, Studien- oder Arbeitsbelastung auftreten und zuvor nicht bestanden haben.
Andere Ursache im Vordergrund Wenn zunächst geklärt werden sollte, ob eine andere psychische oder körperliche Erkrankung die Beschwerden besser erklärt.
Reine Gutachtenfrage Wenn die Diagnostik ausschließlich für arbeitsrechtliche, sozialrechtliche oder gerichtliche Fragestellungen benötigt wird.

Selbstmedikation bei eigener ADHS


Bei ADHS sollte auch der Umgang mit Alkohol, Zigaretten, Cannabis oder anderen Substanzen berücksichtigt werden.

  • Manche Betroffene berichten, solche Substanzen genutzt zu haben, um innere Unruhe, Anspannung, Schlafprobleme, Gedankenfülle oder unangenehme Gefühle kurzfristig zu beeinflussen oder zu „betäuben“.
  • Dies wird teilweise als eine Form der Selbstmedikation beschrieben.
  • Ein regelmäßiger Einnahme kann jedoch selbst langfristig zu starken psychischen und körperlichen Problemen führen und die ADHS-Symptomatik zusätzlich überlagern oder verschlimmern


Mögliche Nachteile und Risiken können sein:

  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme: Vor allem Cannabis kann Denken, Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Zeitgefühl beeinträchtigen. Manche Betroffene beschreiben dies als eine Art „Brain Fog“ oder geistige Verlangsamung.
  • Angst, Unruhe und psychische Instabilität: Cannabis und andere psychoaktive Substanzen können Ängste, Panik oder paranoide Gedanken verstärken. Bei entsprechend gefährdeten Personen kann Cannabis außerdem das Risiko psychotischer Symptome erhöhen.
  • Stimmung und Antrieb: Regelmäßiger Substanzkonsum kann mit Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit und weiteren psychischen Beschwerden einhergehen und dadurch die diagnostische Einschätzung erschweren.
  • Abhängigkeit und Gewöhnung: Aus einer zunächst gelegentlichen „Selbstmedikation“ kann sich ein problematischer Konsum oder eine Abhängigkeit entwickeln. Dabei können andere Lebensbereiche zunehmend in den Hintergrund geraten.
  • Körperliche Folgen: Vor allem Alkohol und Nikotin können zahlreiche Organe langfristig schädigen, unter anderem Leber, Herz-Kreislauf-System und Nervensystem. Regelmäßiges Rauchen von Nikotin und Cannabis kann zudem Atemwege und Lunge belasten.
  • Alltag und Beziehungen: Ein problematischer Konsum kann langfristig zu finanziellen Belastungen, Konflikten in Partnerschaft oder Familie sowie Schwierigkeiten in Beruf, Ausbildung oder Studium führen. 


Der kurzfristig als hilfreich erlebte Effekt bedeutet daher leider nicht, dass Alkohol oder Cannabis eine geeignete Behandlung von ADHS darstellen. Sie stellt oft eine "fast" Lösung für ein Problem da und daher ist es verständlich das dies häufig genutzt wird.


Gerade wenn Substanzen regelmäßig genutzt werden, um zur Ruhe zu kommen, schlafen zu können, leistungsfähiger zu sein oder unangenehme Gefühle zu regulieren, ist es sinnvoll, dies offen in die diagnostische Einschätzung einzubeziehen.

  • Je nach Befund kann anschließend eine psychotherapeutische Behandlung und gegebenenfalls auch eine fachärztlich begleitete medikamentöse Behandlung sinnvoll sein.
  • Ziel ist dabei, langfristig hilfreichere und gesundheitlich weniger belastende Strategien/ Verhalten im Umgang mit ADHS-Symptomen und begleitenden Beschwerden zu entwickeln.

Medikamentöse Behandlung bei ADHS


Wenn Sie in erster Linie eine medikamentöse Behandlung Ihrer ADHS wünschen, ist eine Vorstellung bei einer Fachärztin oder einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie in der Regel der passendere Weg.


Als Psychologischer Psychotherapeut darf ich selbst keine Medikamente verschreiben.

Die Entscheidung über ein Medikament, die Dosierung sowie notwendige körperliche Untersuchungen und Verlaufskontrollen erfolgen durch eine entsprechend qualifizierte Ärztin oder einen Arzt.


Die ADHS-Leitlinie sieht sowohl stimulierende als auch nicht stimulierende Medikamente als Behandlungsoptionen vor.

Bei der medikamentösen Behandlung von ADHS können unter anderem meist folgende Wirkstoffe eingesetzt werden:


Methylphenidat

  • Häufige Handelsnamen sind zum Beispiel Ritalin®, Medikinet® adult und Concerta®.
  • Ein stimulierender Wirkstoff, der häufig zur Behandlung von ADHS eingesetzt wird.
  • Er kann insbesondere Aufmerksamkeit, Konzentration und Impulskontrolle verbessern.


Lisdexamfetamin

  • Ein bekannter Handelsname ist Elvanse®.
  • Auch Lisdexamfetamin gehört zu den stimulierenden Wirkstoffen und kann insbesondere Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Selbststeuerung unterstützen.


Atomoxetin

  • Bekannt wurde der Wirkstoff insbesondere unter dem Handelsnamen Strattera®
  • daneben können je nach Verfügbarkeit auch Präparate anderer Hersteller angeboten werden.
  • Atomoxetin ist kein Stimulans und stellt eine mögliche medikamentöse Alternative dar.


Guanfacin

  • Ein bekannter Handelsname ist Intuniv®;
  • Guanfacin ist ebenfalls kein Stimulans.
  • Der Einsatz bei Erwachsenen muss jedoch besonders fachärztlich geprüft werden, da die Zulassung nicht mit der von klassischen ADHS-Medikamenten für Erwachsene nicht die selbe ist.


Die genannten Handelsnamen dienen lediglich als Beispiele und stellen keine Empfehlung für ein bestimmtes Medikament dar. Welche Medikation geeignet ist, wird ausschließlich ärztlich nach individueller Untersuchung und unter Berücksichtigung möglicher Begleiterkrankungen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen entschieden.

Kontaktaufnahme für ADHS-Testungen

Wenn Sie unsicher sind, ob eine ADHS-Abklärung in Ihrem Fall sinnvoll wäre, schreiben Sie mir gerne eine E-Mail an info@walk-foerderung.de oder nutzen Sie das Kontaktformular auf dieser Website. Dann können wir gemeinsam klären, ob die Diagnostik in meiner Praxis passend ist oder ob eine andere Anlaufstelle geeigneter wäre.

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